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«DOK» – Der Spion, der aus dem Rheintal kam - Donnerstag, 22. Januar 2009, 20.05 Uhr, SF 1

Die Familie Tinner – sie beschäftigt die Schweiz. Der Familie wird vorgeworfen, beim Bau von Atombomben mitgeholfen zu haben. Jahrelang sass Urs Tinner (Bild) deswegen in Untersuchungshaft. Erst kurz vor Weihnachten 2008 wurde er aus der Untersuchungshaft entlassen.

Was ist dran an den Vorwürfen? Erstmals nimmt Urs Tinner vor der Fernsehkamera Stellung. Er erzählt, wie sich die Geschichte aus seiner Sicht abgespielt hat: Der Mechaniker aus dem Rheintal reiste Ende 1998 nach Dubai. Dort traf er einen Freund seines Vaters, den pakistanischen Wissenschaftler A. Q. Khan. Der Pakistani Khan war zu dieser Zeit daran, nukleares Wissen an islamische Länder zu verkaufen. In diesem Zusammenhang erteilte er Tinner den Auftrag, Pläne und Dokumente einzuscannen.

 

Im Interview erzählt Urs Tinner: «Irgendwann beginnt man eingescannte Dokumente anzuschauen, und man sieht Dokumente, die irgendwie merkwürdig sind». Er habe dann, so Tinner, den amerikanischen Geheimdienst mit einer List auf sich aufmerksam gemacht.

 

In der Folge leitet Urs Tinner hochbrisante Bombenpläne an die Amerikaner weiter. Er habe dies, da er überwacht worden sei, via Schweiz gemacht. Es sind jene Pläne, die der Bundesrat später in einer umstrittenen Aktion zerstören liess.

 

Im Film erzählt Urs Tinner zudem ausführlich, wie er an jene Informationen gelangte, die den Amerikanern und Briten ermöglichten, das Atomnetzwerk schliesslich zu zerschlagen.

 

In Schweizer Archiven fand der Autor zudem bisher unbekanntes Aktenmaterial. Es handelt sich um brisante Dossiers, die zeigen, dass die Schweizer Regierung in den 1970er-Jahren bewusst in Kauf nahm, dass sich Pakistan mit Atomtechnologie «Made in Switzerland» ausrüsten konnte.

 

Im Dokumentarfilm beschreibt der umstrittene A. Q. Khan seine Beziehung zur Familie Tinner. Und er erzählt, wie er ohne Probleme jahrelang ein Visum für seine Aufenthalte in der Schweiz erhielt. Ausserdem im Film: die exklusiven Stellungnahmen des damaligen Justizministers Christoph Blocher und des Chefermittlers der Internationalen Atomenergie-Agentur.

 

Hansjürg Zumstein hat sich in die Akten dieses brisanten Falles eingegraben. Der Autor ist bekannt für seine akribischen Recherchen zu aktuellen Polit-Themen («Die Abwahl», «Der Fall – Wie die UBS in den Strudel der Finanzkrise geriet»).


Quelle: Media Relations SF

Datum: 20.01.09